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Ernährung an Wettkampftagen: Was wirklich hilft – und was schadet

Die beste Vorbereitung nützt wenig, wenn am Wettkampftag falsch gegessen wird. Was Jugendlichen wirklich Energie gibt – und was schadet.

Der Wettkampftag fühlt sich für viele Jugendliche an wie ein Ausnahmezustand. Die Nervosität beginnt oft schon beim Aufstehen, Gedanken kreisen um Erwartungen, Gegner, eigene Fehler oder mögliche Erfolge. Körperlich und mental ist dieser Tag eine besondere Belastung – und doch wird ein entscheidender Faktor häufig unterschätzt: das Essen.

Dabei kann selbst die beste Trainingswoche durch falsche Ernährung am Wettkampftag wirkungslos werden. Der Körper ist vorbereitet, die Technik sitzt, der Kopf ist fokussiert – und trotzdem fehlt die Energie. Oder sie kommt zu früh, zu spät oder in der falschen Form.

Der Sporternährungsberater Sven Holler, der seit Jahren Nachwuchsathleten begleitet, zieht einen einfachen Vergleich:

„Wettkampfernährung ist wie ein gutes Warm-up. Sie entscheidet darüber, wie flüssig der Motor läuft. Ist sie falsch, ruckelt es – egal, wie gut der Rest vorbereitet ist.“


Warum der Wettkampftag ernährungsphysiologisch besonders ist

Im Wettkampf reagiert der Körper sensibler als im Training. Stresshormone steigen, der Puls ist höher, die Verdauung arbeitet langsamer. Was an einem normalen Trainingstag problemlos vertragen wird, kann am Wettkampftag plötzlich schwer im Magen liegen oder den Blutzucker destabilisieren.

Gerade Jugendliche sind dafür anfällig. Ihr Stoffwechsel befindet sich noch im Wachstum, das Nervensystem reagiert stark auf emotionale Reize. Wie im HeyPlayr-Artikel „Mentale Stärke im Jugendalter“ beschrieben, beeinflussen Nervosität und Erwartungsdruck direkt die körperliche Leistungsfähigkeit. Ernährung wirkt hier wie ein Verstärker – im Guten wie im Schlechten.


Die wichtigste Regel: Am Wettkampftag nichts experimentieren

Der häufigste Fehler sitzt nicht im Training, sondern auf dem Teller. Neue Lebensmittel, neue Snacks oder vermeintliche „Geheimtipps“ aus dem Internet sorgen oft für mehr Schaden als Nutzen. Der Körper mag im Wettkampf keine Überraschungen.

Ungewohnte Speisen irritieren die Verdauung, können Blähungen, Übelkeit oder Energietiefs auslösen. Was im Training funktioniert, sollte auch im Wettkampf eingesetzt werden – und nichts anderes. Diese Regel klingt banal, wird aber erstaunlich oft missachtet.


Wie der Körper optimal versorgt wird

Etwa drei bis vier Stunden vor dem Wettkampf braucht der Körper eine stabile Energiegrundlage. In dieser Phase bewähren sich leicht verdauliche Kohlenhydrate, kombiniert mit einer moderaten Menge Protein. Kartoffeln, Reis, Haferflocken oder Brot liefern sogenannte „langsam brennende“ Energie. Sie halten den Blutzuckerspiegel stabil und sorgen dafür, dass Kraft und Konzentration über längere Zeit abrufbar bleiben.

Rund eine Stunde vor dem Start geht es weniger um Sättigung als um Verfügbarkeit. Kleine, leichte Snacks wie eine Banane, eine Reiswaffel oder ein Joghurt liefern schnell verfügbare Energie, ohne den Magen zu belasten. Wichtig ist dabei die Menge: zu viel Essen kurz vor dem Wettkampf wirkt eher hemmend als hilfreich.

Unmittelbar vor dem Start steht nicht mehr das Essen, sondern das Trinken im Vordergrund. Wasser oder ein leicht isotonisches Getränk reichen völlig aus. Schwere Speisen oder stark gezuckerte Getränke sind in dieser Phase kontraproduktiv.


Typische Stolperfallen – und warum sie so häufig sind

Viele Jugendliche greifen aus Nervosität zu Süßigkeiten. Der schnelle Zucker verspricht kurzfristige Energie, führt aber oft zu einem ebenso schnellen Leistungsabfall. Große Portionen sind ein weiteres Problem: Aus Angst, „zu wenig gegessen“ zu haben, wird der Magen überlastet – mit direkter Wirkung auf Beweglichkeit und Konzentration.

Energydrinks sind besonders problematisch. Sie pushen das Nervensystem, erhöhen die Herzfrequenz und verstärken Nervosität. In Kombination mit Wettkampfstress kann das zu Unruhe, Zittern oder Konzentrationsproblemen führen – Effekte, die wir aus dem HeyPlayr-Artikel „Regeneration im Jugendalter“ bereits als klare Warnsignale kennen.

Auch Flüssigkeitsmangel wird häufig unterschätzt. Schon ein leichter Flüssigkeitsverlust beeinträchtigt Reaktionsfähigkeit und Koordination – zwei Faktoren, die im Wettkampf entscheidend sind.


Ernährung, Kopf und Emotionen – ein unterschätzter Zusammenhang

Was Jugendliche essen, beeinflusst nicht nur Muskeln, sondern auch Emotionen. Ein stabiler Blutzuckerspiegel wirkt beruhigend auf das Nervensystem. Wer hungrig oder unterzuckert startet, reagiert schneller gereizt, unkonzentriert oder hektisch.

Damit schließt sich der Kreis zu einem zentralen Thema von HeyPlayr: Leistung entsteht nie isoliert. Ernährung, mentale Verfassung und körperliche Belastbarkeit greifen ineinander. Ein ruhiger Magen hilft einem ruhigen Kopf – und ein ruhiger Kopf hilft sauberer Bewegung.


Fazit

Der Wettkampf beginnt nicht mit dem Anpfiff. Er beginnt beim Frühstück – und setzt sich mit jeder bewussten Entscheidung fort, die Jugendliche an diesem Tag treffen. Gute Wettkampfernährung ist kein Hexenwerk. Sie verlangt keine Spezialprodukte und keine strengen Diäten, sondern Aufmerksamkeit, Routine und Vertrauen in Bewährtes.

Wer seinen Körper am Wettkampftag gut versorgt, schafft die Grundlage für klare Gedanken, stabile Emotionen und abrufbare Leistung. Und genau darum geht es: nicht um Perfektion, sondern um Verlässlichkeit – auf dem Teller wie im Sport.

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