Was Jugendliche über Beweglichkeit wissen müssen: Warum Mobility kein Stretching ist
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Was Jugendliche über Beweglichkeit wissen müssen: Warum Mobility kein Stretching ist

Beweglichkeit gilt im Jugendsport oft als nebensächliches Anhängsel des Trainings – doch Mobility ist weit mehr als Dehnen. Gerade im Wachstum entscheidet sie darüber, wie sauber, effizient und verletzungsfrei Jugendliche sich bewegen.

Beweglichkeit gehört im Sport zu den Fähigkeiten, die oft erst dann Beachtung finden, wenn sie fehlen. Viele Jugendliche, aber auch etliche Trainer, schieben Mobility-Übungen gerne ans Ende einer Einheit – irgendwo zwischen Auslaufen und „Wir sind dann fertig“. In den Köpfen vieler ist Dehnen eine Art Pflichtprogramm: nützlich, aber unspektakulär. Doch diese Sichtweise übersieht, wie zentral Beweglichkeit gerade im Jugendalter ist – und wie stark sie darüber entscheidet, ob ein junger Mensch sein sportliches Potenzial entfalten kann.

Der Physiotherapeut und Bewegungsforscher Dr. Leon Gutbrodt, der seit Jahren mit Nachwuchsathleten arbeitet, beobachtet das täglich:

„Viele der Beschwerden, die Jugendliche haben – Knie, Hüfte, Rücken –, sind keine Kraftprobleme. Es sind Beweglichkeitsprobleme. Der Körper versucht zu kompensieren, weil etwas anderes zu steif ist.“

Beweglichkeit ist mehr als die Fähigkeit, eine bestimmte Position einzunehmen. Sie ist ein dynamischer Prozess, der bestimmt, wie frei ein Gelenk sich bewegt und wie gut es kontrolliert wird. In der modernen Sportwissenschaft spricht man deshalb von Mobility – einem Begriff, der weit über klassisches Stretching hinausgeht.


Warum Beweglichkeit im Jugendalter nachlässt

In den Jahren des schnellen Wachstums verändert sich der Körper in einem Tempo, das Erwachsene kaum noch nachempfinden können. Knochen verlängern sich, oft schneller als Muskeln und Sehnen nachgeben können. Das sorgt für Spannungen in den Oberschenkeln, für steife Hüftbeuger, für Zug an der Patellasehne oder für eine eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk.

Diese Veränderungen sind kein Trainingsfehler. Sie sind Ausdruck eines biologischen Prozesses, den niemand beschleunigen oder aufhalten kann – der aber Training und Bewegungsgefühl sichtbar beeinflusst.

Viele Jugendliche stellen in solchen Phasen fest, dass Bewegungen, die früher mühelos waren, plötzlich schwerfallen: Eine tiefe Kniebeuge fühlt sich unnatürlich an, Richtungswechsel wirken kantig, Ausfallschritte verlieren ihre Leichtigkeit. Der Körper versucht nicht zu „schummeln“, er navigiert schlicht durch neue Proportionen.


Mobility ist nicht Dehnen – es ist Bewegung lernen

Lange Zeit galt Dehnen als die zentrale Lösung für Beweglichkeitsprobleme. Doch modernes Mobility-Training verfolgt ein anderes Ziel: Es geht nicht darum, Muskeln passiv zu verlängern, sondern Gelenke aktiv in ihrem vollen Bewegungsumfang zu kontrollieren. Kontrolle – nicht Elastizität – ist das entscheidende Wort.

Eine gute Mobility zeigt sich etwa darin, eine tiefe Kniebeuge mit stabilem Rücken ausführen zu können. Oder darin, dass eine Hüfte sich frei bewegen kann, ohne dass der Oberkörper ausweicht. Oder darin, dass ein Sprunggelenk beim Landen nicht blockiert, sondern nachgibt und stabilisiert.

Die Bewegungswissenschaftlerin Prof. Ingrid Kortsen formuliert das so:

„Der beste Schutz vor Verletzungen ist nicht Kraft. Es ist Beweglichkeit unter Kontrolle.“

Wenn ein Gelenk frei bewegen kann, sinken die Kompensationsbewegungen – jene kleinen Ausweichmanöver, die langfristig zu Überlastungen führen.


Warum Beweglichkeit direkte Leistungswirkung hat

Beweglichkeit wird oft unterschätzt, weil sie nicht so sichtbar ist wie Kraft oder Schnelligkeit. Dabei beeinflusst sie zahlreiche Leistungsfaktoren unmittelbar. Frei bewegliche Gelenke verbessern die Technik: Wer im Sprunggelenk eingeschränkt ist, landet härter; wer in der Hüfte steif ist, verliert Kraft im Sprint. Beweglichkeit wirkt wie ein gut geöltes Gelenk in einer Maschine – alles läuft leichter, flüssiger, effizienter.

Auch die Kraft profitiert. Ein Muskel, der sich ohne Einschränkung durch den Bewegungsumfang bewegen kann, entwickelt mehr Kraft und arbeitet energieschonender. Das zeigt sich in schnelleren Zeiten, besseren Sprüngen und stabileren Bewegungen. Und nicht zuletzt sinkt das Verletzungsrisiko erheblich: Steife Strukturen zwingen den Körper zu kompensieren, diese Kompensation erzeugt Stress – und dieser Stress kann zu Verletzungen führen.


Wie Jugendliche sinnvoll Mobility trainieren

Ein erfolgreiches Mobility-Training beginnt dort, wo Wachstum die größten Einschränkungen erzeugt: bei der Hüfte, dem Sprunggelenk, der Brustwirbelsäule und der Oberschenkelrückseite. Dort entscheidet sich, wie jugendliche Athleten laufen, landen, drehen oder beschleunigen.

Übungen wie der „World’s Greatest Stretch“, kontrollierte Ausfallschritte, Hüftkreise oder Knie-über-Zeh-Mobilisationen helfen, Bewegungsfreiheit und Stabilität zugleich zu entwickeln. Auch Rotationen der Brustwirbelsäule spielen eine wichtige Rolle – sie verbessern Haltung und erlauben flüssigere Rotationsbewegungen, etwa beim Wurf oder bei schnellen Richtungswechseln.

Mobility sollte dabei weniger als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil des Trainings verstanden werden – nicht nur als Abschluss, sondern manchmal auch als Einstieg in eine Einheit, um den Körper auf bewegungsintensive Aufgaben vorzubereiten.


Fazit – und ein praktischer Einstieg

Beweglichkeit ist weder Beiwerk noch lästige Pflicht. Sie ist die Grundlage für nahezu alles, was im Sport zählt: saubere Technik, effiziente Bewegungen, Kraftentfaltung und Verletzungsprophylaxe. Jugendliche, die Mobility ernst nehmen, schaffen damit eine körperliche Qualität, die später kaum aufzuholen ist.

Um den Einstieg zu erleichtern, findest du im Anschluss an diesen Artikel ein kurzes, alltagstaugliches Mobility-Training, das nur wenige Minuten dauert und dennoch genau jene Bereiche stärkt, die im Jugendalter besonders gefordert sind.

Zum Mini-Mobility-Programm für Jugendliche (4–6 Minuten)
(Hüftöffner, Sprunggelenksmobilisation, Leg Swings, BWS-Rotation, Hüftkreise)

Wer seinen Körper in der Wachstumsphase begleitet, statt ihn zu übergehen, investiert in Stabilität, Effizienz und Gesundheit – und bewegt sich sein Leben lang souveräner.

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Jugendliche Eltern Trainer Training & Technik Gesundheit & Verletzungsprävention